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Ausgabe 6 vom 17. März 2004
Ver-rückte Künstler Kunst in der Klinik – Der Dokumentarfilm «Halleluja! Der Herr ist verrückt» porträtiert Künstler-Patienten der Berner Klinik Waldau und zeigt, wie Kreativität und psychische Krankheit zusammenhängen. Die Psychiatrische Klinik Waldau in Bern erscheint auf der Kinoleinwand in Schnee eingehüllt. Bald wechselt die Kamera vom wattierten Weiss direkt in den bizarr-bunten Mikrokosmos von Jonas Konrad. Im Zimmer des psychisch Kranken stapeln sich Hochglanz-Magazine. Er zerschneidet die Heftli und montiert den schrillen Illustrierten-Glamour zu einem bunten Mosaik. Kein Zentimeter bleibt auf den Zimmerwänden Konrads ausgespart. Wenn er die Porträthälften von Bush und Blair zusammenklebt, verwachsen sie zu einer Einheit wie siamesische Zwillinge. Dann fällt gleich der Name, der die Waldau für immer mit der Kunstwelt in Verbindung setzt: Adolf Wölfli. Über dreissig Jahre bemalte der hier verwahrte Bauernknecht, in dem ein verkannter Künstler schlummerte, Kartons, Kisten und Schränke. Der Bild- und Heftli-Bearbeiter Jonas Konrad lacht beim Namen von Wölfli: «Der hat wohl noch mehr gesponnen als ich.» Krankheit als Antrieb Wölfli ist auch für Heinz Feldmann präsent. Er ist nicht Patient, sondern Betriebsschlosser. Fasziniert von der Geschichte der «kunstsinnigen» Klinik, hat er im rechten Moment in den 70er Jahren die Bilder und Gegenstände der Klinik gerettet und sie im Psychiatriemuseum der Waldau zusammengetragen. Vor einem von Wölfli bemalten Schrank erläutert er einer Schulklasse, dass das Möbel heute mehr als ein Ferrari wert sei. Heinz Feldmann hat sich vom Handwerker zum Museumspädagogen gemausert. Sein zusammengetragenes Material dient Regisseur Knuchel dazu, um auf die Psychiatriegeschichte der Waldau mit Zwangsjacken und Fesselstühlen zurückzublenden. Auch dies wird en passant erzählt, ohne einen Psychiatriekritiker auftreten zu lassen. Das ist eine der Stärken des Filmes: Nichts wird von aussen her erklärt, sondern die Porträtierten selbst führen in die Welt der Psychiatrie ein; zeigen das Kunstschaffen, das oft unter grösstem Leidensdruck entsteht. Der therapeutische Malermeister Verblüffend wird auch vorgeführt, wie rasch so genannte Normalitäten ver-rücken können. Da erzählt der redselige Gordian Hannemann ganz entspannt von seinen Ängsten, gibt den Eindruck, alles bestens im Griff zu haben, bis schliesslich für ihn unsichtbare Tierchen in seiner Kaffeemaschine zu ganz realem Leben erwachen. Dieses Kippen von einer Welt in die andere bildet bei ihm den Antrieb, um in Sekundenschnelle mit grosszügigen Pinselstrichen Bilder auf dem Papier entstehen zu lassen. Gabor Dios dagegen zeigt sich penibel, wenn er seine feinen Gespinste auf die Wände der Anstaltskorridore anbringt. Manches Bild wird von achtlosen Passanten verletzt. Hier spendet der Malermeister Otto Frick Trost. Er ist die Bezugsperson der sechs Künstler-Patienten, lässt sich auch ohne Murren als Handlanger einspannen. Ein humaner Handwerker, der ohne akademische Ausbildung die Kreativität fördert und seinen Berufsstolz in dem Satz anklingen lässt: «Zum Frick kommen sie als Maler und gehen als Künstler.»
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