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Ausgabe 7 vom 28. März 2007
Militanter Islam ist nicht mehrheitsfähig
Aus islamischer Sicht – Beschönigte Muslim Hadayatullah Hübsch in seiner «Kirchenbote»-Serie den Islam? Islamexperte Ulrich Rudolph sagt nein, bemängelt aber Hübschs Auslegungen als teilweise einseitig.
Interview: Matthias Herren
Kirchenbote: Herr Rudolph, Hadayathullah Hübsch hat in der Serie «Aus islamischer Sicht» den Islam als tolerante Religion dargestellt. Um dies zu beweisen, zitierte er Sure 18,30: «Lass den ungläubig sein, der will.» Vertritt Hübsch einen Schönwetter-Islam?
Ulrich Rudolph*: Nein. Die Haltung eines friedfertigen Islam ist heute die Regel unter der Mehrheit der Muslime.
Bei uns aber nehmen viele den Islam als militante Religion wahr.
Die wichtigsten islamischen Autoritäten verurteilen die militante Form. Tatsächlich aber gibt es verschiedene Gruppen, die den Islam politisch auslegen und ihre Ziele auch mit militanten Mitteln umsetzen. Diese gewaltbereiten Gruppen definieren sich zwar selbst als Muslime. Doch ihre Interpretationen des Islam sind extreme Verengungen aus der jüngsten Zeit und können sich nicht auf die klassische Islamauslegung berufen.
Wie sind dann Korantexte wie Sure 8,13 zu verstehen: «In die Herzen der Ungläubigen will ich Furcht bringen; darum haut ihnen die Köpfe ab und haut ihnen ab alle Enden ihrer Finger.»?
Im Koran gibt es eine ganze Palette von Aussagen, wie man sich gegenüber den Ungläubigen zu verhalten hat. Es gibt Verse, die zum Dialog mit Nichtmuslimen einladen. Andere Texte rufen zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. Im Moment neigt die westliche Welt dazu, diese Passagen mehr als die friedlichen zu betonen. Die Frage ist, welche Haltung mehrheitsfähig ist.
Hadayatullah Hübsch übersetzt Dschihad als «Anstrengung für Gott» oder «Kampf gegen das Ego». Unterschlägt er nicht, dass Dschihad auch ein bewaffneter Kampf ist?
Mit seiner Interpretation sagt er tatsächlich nur einen Teil der Wahrheit. Der Ausdruck «sich auf dem Weg Gottes anstrengen» steht oft im Koran. In der Frühzeit wendete man das Wort meistens als Aufruf zum Kampf gegen die Ungläubigen an. Später aber empfanden die Sufis, eine mystische Richtung im Islam, diese Auslegung als einseitig. Sie betonten, dass es im Dschihad vielmehr um den Kampf gegen die eigenen Schwierigkeiten geht. Diesen Kampf nannten sie den eigentlichen, den grossen Dschihad, im Gegensatz zum kleinen Dschihad, den Kampf gegen die Ungläubigen.
Hadayatullah Hübsch sagt, dass Muslime die Bibel als heiliges Buch betrachten, ja sogar als «Richtschnur für den Menschen». Trifft das zu?
Nur in der Theorie. Nach der islamischen Vorstellung waren das Evangelium und die Thora ein vollkommen richtiges Buch. Allerdings seien beide Schriften im Verlauf der Zeit verfälscht worden. Insofern kann der heutige Bibeltext keine Richtschnur mehr für Muslime sein.
Sind Ihnen andere Unkorrektheiten in den Auslegungen von Hadayatullah Hübsch aufgefallen?
Dass Herr Hübsch eine geistig-seelische Auferstehung vertritt statt einer des Leibes, widerspricht den gängigen Vorstellungen des Islam. Die Muslime gehen davon aus, dass sie am Jüngsten Tag ein zweites Mal als Person erschaffen werden. Auch in einigen weiteren Einzelheiten nimmt er Positionen ein, die von der Hauptlinie der Islaminterpretation abweichen. Im Übrigen aber vertritt Herr Hübsch in seinen Texten einen Islam, der in den grossen Zügen von den meisten Muslimen geteilt wird.
* Ulrich Rudolph ist Professor für Islamwissenschaften an der Universität Zürich.
Aus islamischer Sicht
Seit Anfang Jahr hat Hadayatullah Hübsch sechs Bibeltexte aus islamischer Sicht kommentiert. Leser kritisierten, dass der deutsche Muslim den Islam beschönige. Islamwissenschafter Ulrich Rudolph nimmt dazu Stellung.
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