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Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008
Schwarze Kleidung – T-Shirt
Die Ereignisse von damals sind Lucie Schneider-Jenny noch heute nahe: Anfang der 1960er Jahre war die heute 81-Jährige die erste Frau in der Kirchenpflege von Zürich-Seebach. Und auch eine der ersten Kirchenpflegerinnen in der Schweiz überhaupt. Dass nicht nur die Zulassung für Frauen in dieses Amt, sondern auch die Kleidung streng geregelt war – daran kann sich Lucie Schneider-Jenny noch gut erinnern.
Selbstverständlich standen die Kirchenpfleger beim Einsatz des Abendmahls im schwarzen Anzug mit dunkler Krawatte vor der Gemeinde. Lucie Schneider musste sich extra ein schwarzes Kostüm kaufen. Doch dann tauchte ein Problem auf, das bisher nicht bestanden hatte: «Ich wurde aufgefordert, dass ich doch bitte auch schwarze Strümpfe zu tragen habe.» Lucie Schneider schmunzelt: «Darüber habe ich mich dann einfach hinweggesetzt.»
Und heute? An den Abendmahlsfeiern in Seebach ist das Erscheinungsbild bunt. Jeans überwiegen, die T-Shirts der Kirchenpflegerinnen reichen von gestreift bis knapp geschnitten. «Kleidungsvorschriften? » Kirchenpflegepräsidentin Michèle Halser lacht. Das gäbe es nicht mehr. Schliesslich sei das Abendmahl nichts Trauriges. Und ausserdem: «Wir fühlen uns als normale Kirchenmitglieder und brauchen uns nicht abzuheben.»
cv
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