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Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008
Dilemma wird immer grösser
MEINUNG
Von Christine Voss
Eine Auseinandersetzung über den «Lebenswert» von Embryonen wirft in England zurzeit hohe Wellen: Ein gehörloses Paar möchte unter den verschiedenen Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstanden sind, jenen auswählen dürfen, der genetisch ebenfalls die Anlage zur Gehörlosigkeit hat. Bisher war klar: Embryonen mit Behinderungen wurden in England gleich «ausgemustert». Das Königreich hat eine der liberalsten Gesetzgebungen punkto Gentechnik.
Noch selten wurde so deutlich, in welches Dilemma die heutigen Möglichkeiten der Embryonenforschung führen. Gegen das Auswählen von Embryonen gab es in England – im Unterschied zur Schweiz – bisher keine Einwände. Liberal zu sein bedeutete, nichts dagegen zu haben, wenn Embryonen mit Behinderungen ausgeschieden wurden. Die Gehörlosen verstehen «liberal» hingegen als Freiheit, nach den zu ihnen passenden Kriterien wählen zu dürfen.
Letztlich zeigt die Diskussion aber, wie sehr der Mensch überfordert ist, wenn er die Entscheidung über «lebenswertes Leben» in die eigene Hand nehmen muss. Eine christliche Ethik, die auf die Grenzen der menschlichen Selbstbestimmung hinweist, wäre einmal mehr gefragt.
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