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Erscheinung:
alle 14 Tage
Auflage: 251'502

© 2008 – Impressum

 

 

 

Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008

Die Schwiegermutter hilft zu viel

Frage – Meine Schwiegermutter nervt mich je länger, desto mehr. Sie ist eine aktive, im Grund genommen unterbeschäftigte Frau. Eigentlich hatten wir einen guten Start miteinander. Mein Mann ist ein Einzelkind, und sie freute sich, mit mir sozusagen noch eine Tochter zu bekommen. Auch als Grossmutter blühte sie auf. Sie war immer bereit, die beiden Kinder zu hüten, und ich war um die Entlastung froh. Allerdings musste ich von Anfang an einiges schlucken, weil sie immer wieder überbordete und sich bei uns aufführte, wie wenn unsere Wohnung ihr gehören würde. Natürlich meint sie es gut, aber es ist trotzdem mühsam, wenn sie praktisch meine Familie übernimmt. Sie kommt einmal in der Woche einen Tag zu uns, um mit den Kindern zu sein, und ich bin schon gestresst, bevor sie da ist. Sie gibt mir zu allem und jedem Ratschläge, stellt in meiner Wohnung die Gegenstände um und mischt sich in meine Gespräche mit den Kindern ein. Ich bin jedes Mal erleichtert, wenn sie ­wieder weg ist. Das Thema belastet unsere Ehe. Was raten Sie mir? F. H.

Antwort von Katrin Wiederkehr, Psychologin

Liebe Frau H., auch wenn das Beziehungs­geflecht zwischen eigener Herkunftsfamilie und neuer Familie oft nicht einfach ist, eines ist auf jeden Fall klar: Die «Kernfamilie», das heisst, die Gemeinschaft von Ehepartnern mit ihren Kindern, hat immer Vorrang. Wenn sie aus dem Gleichgewicht gerät, muss etwas verändert werden. Ein Arrangement, das Sie so belastet wie jenes mit Ihrer Schwiegermutter, kann nicht gut sein. Da ist offensichtlich eine Entflechtung fällig.

Ich denke, dass Ihr Mann in einer schwierigen Lage ist. Als Einzelkind dürfte er seiner Mutter besonders nahestehen. Doch schon in der Bibel ist deutlich festgehalten: «Darum verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt an seiner Frau» (Gen. 2, 24).

Mutter und Sohn

Die Bindung zwischen Eltern und Kind ist jedoch tief in der Psyche verankert. Die Ablösung eines Sohnes von der Mutter geschieht immer schrittweise und reicht oft tief ins Erwachsenenleben hinein. Wenn ein Mann eine starke Mutterbindung hat, ist ein Loyalitätskonflikt zwischen Frau und Schwiegermutter geradezu vorprogrammiert. Das kann aber auch eine positive Seite haben: Die gegenwärtige Situation in Ihrer Ehe kann der Anstoss für einen weiteren Ablösungsschritt Ihres Mannes sein. Gerade indem er Ihnen jetzt zum Beispiel den Rücken stärkt – auch gegen die eigene Mutter.

Es kommt oft vor, dass Männer sich in Frauen verlieben, die ihren Müttern ähnlich sind. Der Sohn der dominanten Mutter wählt dann eine dominante Frau – eine Konstella­tion, die übrigens durchaus zu einer harmonischen Ehe führen kann. Wenn diese Konstellation für Ihre Ehe zutrifft, müssen Sie damit rechnen, dass Sie die ­Abgrenzung gegenüber der Schwiegermutter weitgehend ohne Ihren Mann leisten müssen. Möglicherweise wird er Sie nur lauwarm unterstützen. Fordern Sie aber nicht mehr von ihm, als er leisten kann, sonst kommt es schnell zu einem Zweifrontenkrieg.

Wichtige Grossmutter

Ich finde es unter den gegebenen Umständen nicht günstig, wenn Ihre Schwiegermutter regelmässig zu Ihnen in Ihre Wohnung kommt. Hier sollten Sie umgehend mit Veränderungen beginnen. Könnten nicht die Kinder zur Grossmutter gebracht werden? Könnte die Grossmutter die Kinder zu gemeinsamen Aktivitäten, die auswärts stattfinden, abholen? So kann sich Ihre Schwiegermutter engagieren, aber in einer Form, die für alle lebbar ist. Und es kommt den Kindern zugute, für die die Beziehung zur Gross­mutter etwas Wichtiges ist. Im Grund genommen ist ein solcher Einsatz der Schwiegermutter ja etwas sehr Positives.

Vergessen Sie nicht, dass Sie und Ihr Mann letztlich in der starken Position sind. Sie sind es, die bestimmen, wie viel von Ihrem Familienleben Sie mit anderen teilen wollen! Ich wünsche Ihnen jedenfalls den Mut, die Klarheit und die Weisheit, die anstehenden Veränderungen freundlich und bestimmt anzugehen.

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