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Erscheinung:
alle 14 Tage
Auflage: 251'502

© 2008 – Impressum

 

 

 

Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008

«Hoffentlich kein weiteres seichtes Heftli»

Adieu Kirchenbote – Die letzte Nummer mit dem Titel «Kirchenbote» liegt vor. Was bedeutet das für die Lesenden, und was erwarten diese vom neuen «reformiert.»?

Von Christine Voss

Patrice de Mestral gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Zürcher Kirche. Bis heute ist für den Theologen der Einsatz für die Kirche zentral. Dementsprechend gehört auch der «Kirchenbote» für ihn «einfach dazu». «Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es die Zeitung in dieser Form nicht mehr geben soll», meint de Mestral bedauernd. Und er kommt ins Schwärmen, wenn er von Höhepunkten in der Geschichte des «Kirchenboten» erzählt: «Es gab dort immer wieder Personen, die waren so etwas wie Leuchttürme in der Kirche. So zum Beispiel der langjährige ehemalige Chefredaktor Hans Heinrich Brunner.» Sie hätten die wichtigen Themen von Kirche und Gesellschaft angesprochen und Stellung bezogen, auch gegen den Strom.

Christliche Werte

Ähnlich wie de Mestral versteht auch Lilo Brunner, die Witwe des ehemaligen Chefredaktors Hans Heinrich Brunner, den «Kirchenboten». Bis heute fühlt sie sich der Zeitung verbunden – «wie könnte es anders sein, ich war durch meinen Mann voll mit eingebunden!». Und sie erinnert sich: «Ihm ging es nicht darum, irgendeine Zeitung zu schreiben. Für ihn stand hinter aller Arbeit eine Vision: die einer lebendigen kirchlichen Gemeinschaft, die sichtbar in der Welt auftritt und christliche Werte in die Praxis umsetzt.»

Dass dieser Geist und vor allem auch die dahinterstehende christliche Motivation erhalten bleiben, ist Lilo Brunner für die neue Zeitung besonders wichtig. «Mit neuem Layout, modernem Auftreten und ähnlichen Qualitäten, mit denen die neue Zeitung angekündigt wird, ist es nicht getan», äussert sie ihre Skepsis. «Wir brauchen kein weiteres seichtes Heftli, sondern eine Zeitung mit Substanz.»

«Einfach super»

Jüngeren Menschen hingegen scheinen Stil und Layout von «reformiert.» zu entsprechen. «Ich finde es gelungen, einen Aufbruch zu Neuem!», freut sich der Theologe und PR-Berater Philipp Zimmermann. Eine riesige Chance sei auch die neue Auflage von 700 000 Exemplaren. «Damit wird die neue Kirchen­zeitung zu einer gewichtigen Stimme», ist er überzeugt.

Überraschend ist, dass er sich dann aber zum Inhalt ähnlich kritisch wie Lilo Brunner äussert. «Mich stört, dass sich der ‹Kirchenbote› von seinen Wurzeln entfernt.» Und Zimmermann formuliert prägnant seine Vorstellung, dass die Zeitung in seinen Augen «ein Sprachrohr der Kirche» sein solle. Das schulde der «Kirchenbote» den Kirchenmitgliedern, dass er sie über kirchliche und christliche Themen informiere. Ein «theologischer Tiefgang» sei deshalb wichtiger als Aussagen über Abstimmungen oder andere politische Ereignisse, die man auch in den Tageszeitungen finden könne.

Die Lehrerin Heidi Zäch aus Truttikon findet hingegen gerade diese Stellungnahmen wichtig: «Dass der ‹Kirchenbote› so aktuell ist, habe ich immer geschätzt.» Aber die Redaktion solle aufpassen, dass ihrer Zeitung nicht «die Seele abhanden kommt». Das als «modern» gelobte neue Layout habe auch etwas Kaltes an sich. Und ob der Anspruch, «religiöse, kulturelle, wirtschaftliche und politische Themen abzuhandeln», überhaupt nötig sei, fragt sich die Lehrerin manches Mal, wenn sie über die von «reformiert.» formulierten Ziele (vgl. KB 8/08) nachdenkt.


Patrice de Mestral.


Lilo Brunner.


Heidi Zäch.


Philipp Zimmermann.

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