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Erscheinung:
alle 14 Tage
Auflage: 251'502

© 2008 – Impressum

 

 

 

Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008

Bild: Sabine Schüpbach
Noemi Kamihigashi, Felix Blum, Diego Gluch: Pfarrer und Konfirmanden in der Ausstellung in Oberwinterthur.

Konf-Bilder selbstgemacht

Konfirmation – Schluss mit symboltriefenden Foto-Postern als Konfirmationsgeschenk: In Oberwinterthur haben Konfirmandinnen und Konfirmanden eigene Bilder gestaltet.

Von Sabine Schüpbach

Aus einer Schale fliegen goldene Blumen nach oben. Bevor sie dem Bild entschweben, gesellen sich drei Sterne dazu: Das abstrakt gehaltene Konfirmations-Bild von Diego Gluch kommt verspielt daher. Der 15-Jährige ist einer der 64 ­Konfirmandinnen und Konfirmanden der Kirchgemeinde Oberwinterthur, die ihr Bild zur Konfirmation selbst gestalten durften. Bisher konnten die Konfirmanden aus einer Standard-Auswahl ein Fotoposter aussuchen. Jetzt haben die Jugendlichen im Atelier des Werklehrers Markus Keller selbst Bilder gedruckt.

Kirche neu zusammengesetzt

«Sehr lässig» sei die Arbeit am Bild gewesen, sagt Diego Gluch. «Ja, mega», pflichtet seine Kollegin Noemi Kamihigashi bei, die wie Diego am 15. Juni konfirmiert wird. Die beiden Jugendlichen stehen im Kirchgemeindehaus Oberwinterthur, wo die Werke der Konfirmanden zurzeit ausgestellt sind. Noemi Kamihigashi zeigt ihr Werk: «Für mich war klar, dass die Kirche drauf gehört.» Auf ihrem Bild ist die Uhr des Oberwinterthurer Kirchturms im Hintergrund diskret präsent, während sich vorne eine Ranke über Musiknoten legt. Diego Gluch dagegen sagt: «Mein Bild hat kein bestimmtes Thema.» Er ­habe sich einfach von den Formen inspirieren lassen.

Hinter den Bildern steht ein durchdachtes Konzept: Der Werklehrer Markus Keller hat im Auftrag der Kirchgemeinde eine Reihe von Druck-Klischees mit ornamentalen und gegenständlichen Motiven hergestellt. Alle Motive haben einen Bezug zur Oberwinterthurer Kirche
St. Arbogast: Sie zeigen Teile der Fresken aus dem 13. Jahrhundert, Orgelpfeifen, Aussenansichten der Kirche und vieles mehr. Und so kommt es, dass auf Diego Gluchs Konf-Bild die Blumen, die in der Kirche noch wohlgeordnet aufgereiht sind, in freien Flug geraten.

Neuer Gehalt

Die Kirchgemeinde Oberwinterthur geht in Sachen Konf-Bilder neue Wege. Am Anfang sei «ein Unbehagen» gestanden, erzählt Pfarrer Felix Blum. Die meisten herkömmlichen Konf-Bilder hätten «kaum eine Aus­sage». «Es dominieren harmlose Ferienprospektbilder und symboltriefende Monumentalaufnahmen.» Mit den Eigenkreationen der Jugendlichen erhielten die Konf-Bilder «neuen Gehalt», sagt Felix Blum.

Der Pfarrer hat sich mit der Geschichte des Konf-Bildes befasst und erklärt: Erst im Lauf der Geschichte wurde das Bild zu einem eigenen Bestandteil der Konfirmation – neben dem Konf-Bibelspruch. Die frühsten Konfirmationsurkunden waren lediglich verzierte schriftliche Dokumente. Später wurden den Konfirmanden Reproduktionen von Werken alter Meister, wie Rembrandt oder Leonardo da Vinci, mit biblischen Bildmotiven abgegeben. Auch die Holzschnitte von Felix Hoffmann in den sechziger Jahren hatten noch christliche Bildmotive. Erst heute gebe es Konf-Bilder, die ohne christliche Motive auskämen, sagt Felix Blum und zeigt auf ein Poster mit der ästhetisch verfremdeten Darstellung von Skatern.

Mündig und individuell

Eines hat den geschichtsforschenden Pfarrer besonders fasziniert: Die Konfirmation war in der Geschichte nicht nur ein Ritual zum Bekennen des christ­lichen Glaubens, sondern hatte immer auch «zivilen Charakter». Konkret: Mit der Konfirmation wurde bestätigt, dass der Jugendliche zum mündigen Staatsbürger wird. Da passt es für Felix Blum gut, dass man an diesem Anlass den Jugendlichen «die Verantwortung für ihr Bild in die eigenen Hände legt». Auch Thomas Schlag, Assistenzprofessor für Praktische Theologe an der Universität Zürich, findet das Konf-Bild-Projekt aus Oberwinterthur bestechend. Der Theo­loge meint, dass damit «symbolhaft umgesetzt» werde, was das Ziel der Konfirmationsarbeit überhaupt sei: «Die Individualität der Jugendlichen zu fördern.»

Und ein bisschen förderts auch den Bezug zur eigenen Kirche. Diego Gluch jedenfalls erzählt, dass er die Blumen in der Chorwand der Kirche St.Arbogast erst kürzlich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe. Nachdem er das Motiv auf seinem Bild verwendet hat.

Ausstellung der Konf-Bilder:

bis 24. Mai. Mo bis Sa, 8–18 Uhr, So, 9–12 Uhr (12.5. geschlossen). Ort: Kirchgemeindehaus St. Arbogast, Hohlandstrasse 7, 8404 Winterthur.

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