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Auflage: 251'502

© 2008 – Impressum

 

 

 

Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008

Will der Pfarrer Obama als Präsidenten verhindern?

Jeremiah Wright – Die rassistischen Aussagen des schwarzen Pfarrers bringen Obama in Bedrängnis. Dahinter stecke Kalkül, vermutet die Amerikaspezialistin Britta Waldschmidt-Nelson.

Von Matthias Herren

Der Pfarrer der Trinity United Church of Christ in Chicago hatte den Bruch mit seinem prominenten Gemeindemitglied, Barack Obama, schon vor einem Jahr geahnt: «Wenn Barack die Vorwahlen übersteht, dann könnte es sein, dass er sich öffentlich von mir distanzieren muss», sagte Reverend Jeremiah Wright.

Nun ist es so weit: Der demokratische Präsidentschaftskandidat distanzierte sich öffentlich von seinem Freund und Mentor, der ihn getraut und seine Kinder getauft hatte: «Seine Kommentare sind destruktiv», sagte Obama. «Sie helfen letztlich denen, die Hass predigen, und stimmen sicher nicht mit meinen Überzeugungen überein.»

Rassistischer Pfarrer?

Zuvor hatte Reverend Jeremiah Wright nochmals seine afrozentrische Gesinnung bekräftigt. Die Ausbreitung des HIV sei eine Verschwörung der US-Regierung gewesen, um die Schwarzen zu vernichten. Zudem bezeichnete er den Schwarzenführer Louis Farrakhan als eine der «wichtigsten Stimmen des 20. und 21. Jahrhunderts». Farrakhan, der wegen seiner antisemitischen Ausfälle umstritten ist, ist der Guru der Black-Muslim-Sekte «Nation of Islam».

Britta Waldschmidt-Nel­son, Dozentin für amerikanische Kulturgeschichte an der Universität München, sagt hingegen, dass Jeremiah Wright zu Unrecht in die separatistische Ecke von «Nation of Islam» gedrückt werde. «Wright war über Jahrzehnte Pfarrer einer christlichen Kirche.» Der Pfarrer sei einfach frustriert über den Rassismus, der nach wie vor in den USA an der Tagesordnung sei.

Waldschmidt betont, dass es innerhalb der Bewegung der Schwarzen schon immer zwei Richtungen gab: Leute wie Martin Luther King, die sich gewaltlos für die Integration einsetzen, und Revolutionäre wie ein Malcolm X, für den alle Weissen des Teufels sind. Während Wright dem revolutionären Flügel nahestehe, vertrete Obama die integrative Richtung.

Obama in vier Jahren

Warum Reverend Wright ausgerechnet jetzt seinen langjährigen Freund Barack Obama derart in Bedrängnis bringt, dafür hat Waldschmidt zwei Erklärungen. «Weil die USA wegen dem Irak-Krieg und der Finanzkrise in einem sehr schlechten Zustand sind, könnte Wright die Präsidentschaft von Obama verhindern wollen.» Der schwarze Pfarrer könnte darauf spekulieren, dass der Republikaner John McCain die Misere ausbaden muss und Barack in vier Jahren ins Weisse Haus zieht. «Hinter den Tiraden von Wright könnte aber auch die Befürchtung stecken, dass sich Obama zu sehr von gemässigten Stimmen vereinnahmen lässt.» Der Schwarzenprediger wisse genau, dass ein Präsidentschaftskandidat, der sich zu stark für die schwarze Gemeinschaft einsetzt, nicht gewählt werde.

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