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Ausgabe 10 vom 14. Mai 2008 Der reformierte Marxist Hanspeter Uster – Wie kann sich ein linksalternativer Politiker 16 Jahre lang in der Regierung des Kantons Zug halten? Eingeübt hat Hanspeter Uster seine Rolle in der Jugend: als Reformierter im katholisch dominierten Kanton. Anfang der 70er Jahre, als die Haare der Jugendlichen zu wachsen anfingen, Selbstgestricktes in Mode kam und plötzlich unter Kantischülern über die Perspektiven der Weltrevolution diskutiert wurde, sagte mancher 16-Jährige trotzig dem Pfarrer: «Konfirmation – Nein danke!» «Ätti» schon Aussenseiter Der Sohn hingegen war mehr aus dem Holz des «Ätti» geschnitzt. Nach dem Jurastudium wollte er nicht passend zur Karriereplanung gemässigt-links in der SP politisieren, sondern hielt weiter der Gruppierung Revolutionäre Marxistische Liga, später Sozialistische Alternative Zug, die Treue. «Für meinen Vater wiederholte sich da die Aussenseiter-Geschichte meines Grossvaters. Für ihn war dies wie ein ‹Déjà-vu›», sagt Uster. «Zufall oder Vorsehung» Natürlich hat eine erschütternde Zäsur im Leben von Uster zum «anhaltenden Nachdenken» gezwungen: Bei dem Attentat im Zuger Kantonsratssaal am 27. September 2001, bei dem drei Regierungsrats-Kolleginnen und -Kollegen sowie elf Kantonsräte das Leben verloren, kam Uster selber nur knapp mit einem Lungendurchschuss davon. «War es Zufall, Glück, Schicksal oder Vorsehung? Ich habe darauf keine Antwort», sagt Uster. Rechtsstaatliche Leitplanke Aber daneben kommt für Uster als den ehemaligen Justiz- und Polizeidirektor noch das Prinzip Rechtsstaatlichkeit dazu. Der Rechtsstaat sei als letzte Instanz auch gerade im Hinblick auf den Religionsfrieden wichtig. «Erst Verfassung und Menschenrechte bieten das Korrektiv, das die Religion vor ihrem eigenen Gewaltpotenzial schützt», sagt er. Die potenzielle Gewalt, so Uster, läge in dem Absolutheitsanspruch, der in jeder monotheistischen Religion mitschwinge, begründet. Die staatlich garantierte Religionsfreiheit und ihre Pflicht, die rechtsstaatlichen Regeln einzuhalten, das wird auch den roten Faden bilden, wenn Uster am 27. Mai auf Einladung von «mission 21» und des Reformierten Hochschulforums an der Universität Zürich spricht. Gewalttätiges Abendland Beinahe automatisch gesetzt sind Fragen an diesem Abend zum Verhältnis der Religion in muslimisch geprägten Ländern. Denn zeichnet aber den Islam nicht eine besondere Gewalttätigkeit aus? Der historisch versierte Jurist weist das zurück: «Im blutigen 20. Jahrhundert gingen die vier allergrössten Verbrechen, nämlich die Weltkriege, die Shoa und der Gulag, allesamt vom Abendland aus.» Vortrag von Hanspeter Uster zu «Religion und Politik»: 27. Mai, 19 Uhr, Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13, Zürich.
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